











AKTUELLES
- August 2011
LONDON AUCH BEI UNS?
Junge Männer als tickende Zeitbomben
In England tobt angeblich der Mob; der englische Premier reduziert die Unruhen auf das Werk von „Kriminellen“.John Pitts, Kriminologe und Experte für Jugendkultur, präzisiert: Die meisten Plünderer seien junge Menschen, die nichts zu verlieren hätten, „ weil sie keine Zukunft haben». In Wirklichkeit sind diese „jungen Menschen“ ausnahmslos junge Männer in einer spezifischen Lage: kein Schulabschluss, keine Ausbildung, kein Job, keine familiäre Sicherheit und keine Hoffnung auf Besserung. So sind sie tickende Zeitbomben, wo es eine Nichtigkeit braucht, um sie explodieren zu lassen.
Vor dieser Entwicklung haben weitsichtige Soziologen wie zum Beispiel Lord Dahrendorf schon vor rund 2o Jahren gewarnt. Hatte Dahrendorf noch die Gefahr wachsender Gruppierungen von jungen Männern benannt, die aus der Arbeitsgesellschaft heraus gefallen sind und sich aufgrund eines traditionalistischen Männerbildes auch keinen veränderten Bedingungen anpassen können, gab es nur wenige Jahre später schon ganze Stadtviertel, die von diese „angry young men“ geprägt wurden - etwa Norris Green in Liverpool, Moss Side in Manchester oder Tottenham in London.
Diese Entwicklung trägt sich zunehmend in die großen Städte der deutschsprachigen Region. Auch hier gibt es Quartiere, die von der jeweiligen Gesamtstadt abkoppeln und ihre Randexistenz zementieren. So bildet sich - entsprechend einer deutschen Untersuchung -„eine Schicht von überwiegend männlichen Personen heraus, die sich mit minimalen Bedürfnissen einrichten und am allgemeinen gesellschaftlichen Leben kaum mehr teilnehmen“. Diese Realität und ihre Folgen lassen sich in einem soziologischen Dreisatzfassen:Desintegration=Dezivilisierung=Anomie. Dezivilisierung bedeutet zunehmende Verwahrlosung und Missachtung von Leben und Besitz, was schliesslich in die Anomie als Normlosigkeit und Zerfall der Ordnung führt. Insofern lebt London vor, was auch dem Kontinent droht.
TAGESANZEIGER (Zürich)
- Juli 2011
Brief an:
Edith Paland
Referat 408
Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Rochusstr. 8 – 10, 53123 Bonn
Sehr geehrte Frau Paland,
ich versuche seit geraumer Zeit nähere Informationen über den Jungenbeirat zu finden, den ihre Ministerin ins Leben gerufen hat. Leider habe ich nur sehr allgemeine Hinweise bekommen, die – diskret formuliert – wenig aussagekräftig sind. Wie ich dem Internet entnehme, bin ich nicht der einzige, der diese Erfahrung gemacht hat. Von daher wäre ich ihnen verbunden, wenn Sie mir nähere Informationen über Aufgabe und Zielsetzung dieses Beirats schicken könnten. Zum zweiten würden mich die Kriterien interessieren, nach denen die Mitglieder des Beirats berufen wurden. Ich bin selber seit fünfundzwanzig Jahren in der Männerforschung und -arbeit tätig und habe mich gewundert, dass niemand, der sich bisher in der Jungenarbeit und -forschung ausgezeichnet hat, in diesem Beirat sitzt, wie z.b. Ulf Preuss-Lausitz, Lothar Böhnisch, Rainer Neutzling, Frank Dammasch, um gerade nur einige Namen zu nennen. Stattdessen sind Männer berufen, die bislang mit der Jungenarbeit eigentlich nichts zu tun hatten. Da wäre ich ihnen um sachliche Aufklärung verbunden.
Mit freundlichen Grüssen,
Walter Hollstein
Dieses Schreiben wurde auch nach mehrfacher Nachfage nicht beantwortet.
- Juni 2011
Sehr geehrter Herr Rödde,
da Sie presserechtlich in der Verantwortung für die Studie "Bildung von Geschlecht" stehen, möchte ich Ihnen kurz schreiben. In meiner Berliner Zeit war ich als Hochschullehrer rund 20 Jahre Mitglied Ihrer Gewerkschaft.
Unlängst habe ich Ihre Schrift "Bildung von Geschlecht" gelesen - mit dem Untertitel "Zur Diskussion um Jungenbenachteiligung und Feminisierung in deutschen Bildungsinstitutionen". Ich war einigermassen entsetzt, dass eine angesehene Gewerkschaft eine ja nicht unbeträchtliche Summe an Geldmitteln für ein solches Machwerk investiert. abgesehen davon, dass der Verfasser wohl sämtliche Grundkurse über wissenschaftliches Arbeiten geschwänzt hat, ist besonders der selektive Blick auf die Problematik ärgerlich. der Autor berücksichtigt an Daten und Quellen nur das, was ihm für sein Vorhaben, die offensichtliche Jungenkrise kleinzuschreiben, dienlich ist. Die Arbeitsweise ist ideologisch statt objektiv und sachlich, wie eigentlich etwas sein sollte, das sich "Studie" nennt. Da das ganze Projekt ja auch unter dem Label "Frauen in der GEW " firmiert, liegt der Verdacht nahe, dass es hier darum geht, die manifesten Probleme von Jungen im Bildungsbereich zu leugnen, um damit weiterhin den Fokus auf der M ädchenförderung zu belassen. Eine solche Politik ist nicht nur unehrlich, sondern auch kurzsichtig. Schon jetzt zeigen sich die Auswirkungen der hohen Versagerquoten von Jungen im Bildungssystem u.a. beim Mangel von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt. Sie dokumentieren sich aber auch als allgemeine Orientierungskrise bei Sinnproblemen von Jungen, in Gewalt, zunehmendem Hooliganismus oder der hohen Suizidrate in der Pubertät. Es ist schon makaber, wenn eine Gewerkschaft das alles nicht zur Kenntnis nimmt. Da es ja nicht nur "Frauen in der GEW " gibt, sondern auch Männer, wäre es ja vielleicht eine vornehme Aufgabe der selben, sich einmal auf aufrichtige und authentische Weise der Probleme der eigenen, heranwachsenden Geschlechtsgenossen anzunehmen.
Mit freundlichen Grüssen,
Prof. Dr. Walter Hollstein
- Februar 2011
MÄNNER IN DER RECHTSBEWEGUNG
Von Walter Hollstein
Die seriöse Wahlforschung hat soeben festgestellt: Innert 12 Jahren sind 20 % der jungen Männer in der Schweiz politisch nach rechts „gewandert“. Während sich 1995 16% als rechts geoutet haben, waren es 2007 schon 36 Prozent. Das ist alarmierend, aber keineswegs erstaunlich. Kritische Beobachter weisen schon seit mehr als 20 Jahren darauf hin, dass es bei jungen Männern eine zunehmende Orientierungskrise gibt. Das hat Gründe. Cheryl Benard und Edit Schlaffer - immerhin Feministinnen - verdeutlichen dies am Beispiel kleiner Buben, denen aufgrund des veränderten Zeitgeistes „ ihre Vielseitigkeit und Sensibilität weggenommen“ und die „durch Spott, Zwang und Abwertung“ systematisch „begrenzt und verhärtet“ werden. Die beiden Sozialwissenschaftlerinnen bemängeln, dass bei Jungen – im Gegensatz zu modernen Mädchen – „in der Erziehung und in der Lebenswelt (...) neue Ziele, neue Wertvorstellungen, neue charakterliche Richtlinien nicht wirklich“ vorkommen.
Buben sind seit mehreren Jahrzehnten die im negativen Sinne „auffälligen“ Schüler; sie stellen zwei Drittel der Absolventen von Sonderschulen; ihre Verhaltensstörungen sind signifikant häufiger als die von Mädchen, und ihre Suizidzahlen übertreffen jene der Mädchen um das acht- bis zehnfache. Seit einigen Jahren liegt auch der durchschnittliche Bildungserfolg der Jungen im deutschsprachigen Raum erheblich unter jenem der Mädchen. Problemschüler, Schüler ohne Schulabschluss, Schulversager, Schulwiederholer und Schulschwänzer sind fast ausschliesslich männlich.
Alle diese Symptome lassen sich letztendlich auf die Ursache zurückführen, dass es für Jungen in den vergangenen Jahren immer mühsamer geworden ist, einen sinnvollen Weg zum Mannsein zu finden. „Unsere Söhne haben Probleme“, schreibt der renommierte Psychologe William Pollack., „und diese Probleme sind gravierender, als wir denken“.Sie können sich nicht mehr an allgemein gültigen Bildern von Männlichkeit orientieren, wie das früher der Fall war. Stattdessen müssen sie sich allein zurecht finden. Die Folge ist – wie eine repräsentative Studie über 2ojährige Männer vor kurzem festgestellt hat – eine grosse Angst vor der Zukunft. „Die Männer leiden in ihrer subjektiven Befindlichkeit und fühlen sich in der Defensive“.
Die linken Parteien haben seit langem nur ein Ohr für frauenpolitische Anliegen; die bestehende Männerkrise nehmen sie nicht zur Kenntnis. Der frühere SP-Präsident Hans-Jürg Fehr hat die Männer gar aufgefordert, Feministen zu werden. Anders die konservativen Parteien: sie bieten ein klares Männerbild an, eine klare Arbeitsteilung der Geschlechter und eine klare Perspektive für Männer. Das ist zwar alles rückwärtsgewandt, aber eben: klar und damit auch verlockend.
Die historische Fehlleistung der bisherigen Gleichstellungspolitik besteht darin, dass sie Männer grundsätzlich nur als Sündenböcke erkennt, aber nicht als Ansprechpartner. In diesem Sinne benennt das „Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann“ als einen wichtigen Tätigkeitsbereich den Kampf gegen die Gewalt an Frauen; dass 85% der Opfer von Gewalt Jungen und Männer sind, wird erst gar nicht zur Kenntnis genommen. Der Begriff der Diskriminierung wird durchgängig in allen Lebensbereichen und ausschließlich auf Mädchen und Frauen bezogen; nichts von der frühen Sterblichkeit der Männer, der wachsenden Arbeitslosigkeit, den Problemen beim Sorge- und Scheidungsrecht. Angesichts solcher Parteilichkeit braucht es nicht viel Fantasie, um vorauszusagen, dass junge Männer noch stärker nach rechts rücken werden.
Das probate Gegenmittel wäre, dass Männer von der Politik überhaupt erst einmal adäquat wahrgenommen werden. Dazu gehört mit Sicherheit eine seriöse Auseinandersetzung mit den sog. Antifeministen statt diese von vornherein zu verunglimpfen. Auch Männer wollen ernst genommen werden.
Tagesanzeiger (Zürich)
- Oktober 2010
WENN LIEBE TÖTET /von Walter Hollstein
Es ist ein historischer Moment. Bekanntlich können historische Momente
positiv wie negativ sein. Die Amoktat von Lörrach gehört zur negativen
Seite: Zum ersten Mal ist eine Frau im deutschsprachigen Raum Amok
gelaufen. Bisher war das ein Monopol des anderen Geschlechts. Der
traditionelle Amoktäter ist männlich, ziemlich jung, im Regelfall
erfolglos, von daher subjektiv frustriert und objektiv häufig
benachteiligt.
Die Mörderin von Lörrach war nichts dergleichen. Die Tat
war von einer Grausamkeit, wie sie sonst nur Männern unterstellt wird.
Auch sonst mutet das biographisch Bekannte eher „männlich“ an:
Einzelgängerin, Schützenverein, Waffenfan, langfristige und
detaillierte Planung der Tat oder die Verweigerung der normalerweise üblichen Therapie nach einer Fehlgeburt.
Frauen holen Männer offenbar
auch im Negativen ein: beim Herzinfarkt und beim Lungenkrebs, beim
Komasaufen, bei schweren Verkehrsunfällen und nun beim Amoklauf.
Insofern liesse sich fragen, ob Ziele und Strategien der Emanzipation
nicht einmal kritisch überdacht werden müssen. Die Frauenbewegung war
einmal angetreten, um eine menschlichere Gesellschaft zu schaffen.
Etwas Zweites fällt auf. Die Opfer der Lörracher Mörderin sind
ausschliesslich männlich – die Toten ebenso wie die Angeschossenen.
Nach dem Amoklauf in Winnenden hat Alice Schwarzer vom „Frauenhass“
des Täters gesprochen, weil er mehr Schulkameradinnen als
Schulkameraden ermordet hatte. Obwohl Polizei und Kriminalisten diesen
Vorwurf unisono widerlegt hatten, konnte die „Emma“-Herausgeberin ihre
These in der grössten deutschen Wochenzeitung ausbreiiten, im Fernsehen
und in diversen Talkshows. Nun, da „nur“ Männer ermordet oder verletzt
sind, sieht sich niemand bemüssigt, auf diesen geschlechtsspezifischen
Tatbestand hinzuweisen. Sind weibliche Opfer mehr wert als männliche?
Haben nur erstere Empathie und Mitleid verdient und letztere nicht?
Diese Optik verstärkt sich noch, wenn eine deutsche Psychiaterin den
Amoklauf zu Lörrach in eine „Tat aus Liebe“ umdeutet. Gerechterweise
wird man anmerken müssen, dass die Fachfrau dieses Liebesmotiv auch
dem Familienmörder von Riehen zugute hält, der - drei Tage nach der
grausamen Tat von Lörrach – seine Tochter, seine Ehefrau und sich
selber umgebracht hat.
Liebe tötet also. Gegen eine solche Interpretation muss grundsätzlich
Einspruch erhoben werden. Nicht nur wird hier ein Begriff pervertiert;
es wird unterschwellig auch ein unreifes, kindliches Menschenbild zur
Norm erhoben. Von einem erwachsenen Menschen muss man erwarten können,
dass er mit Enttäuschungen, Versagungen, Trennungen und auch mit
traumatischen Lebenslagen umzugehen weiss. Von einem erwachsenen
Menschen muss man ebenfalls erwarten, dass er sich im Laufe seiner
biographischen Entwicklung zureichend Frustrationstoleranz und
Resilienz erworben hat, um Schlimmes, was ihm widerfährt, einigermassen
adäquat zu verarbeiten und nicht an Unschuldigen auszulassen. Verluste– so oder so – gehören zu jedem Leben. Die Tiefenpsychologie lehrt
sogar, dass Menschen daran reifen und wachsen. Mit Amok und
Familienmord zu reagieren, ist ein Zeichen der Unreife. Es mag
allerdings für den Zustand unseres Gemeinwesens symptomatisch sein,
dass Amokläufe und Familienmorde in den vergangenen Jahren markant
zugenommen haben.
Zur Wahrheit gehört, dass fast alle Täter Männer waren. Lörrach ist –
bisher – die Ausnahme. Nun ist auch das nicht Schicksal. Wenn
gesellschaftlich Männlichkeit so verändert würde, dass sie nicht mehr
Gefühlspanzer bedeutet, sondern Dialogbereitschaft, müssten Männer aus
ihrem Herzen keine Mördergrube mehr machen, sondern könnten sich
öffnen und ihre Sorgen benennen, müssten sie niemanden und auch nicht
sich selber umbringen, sondern könnten gemeinsam nach Lösungen suchen.
Dafür müsste allerdings die männliche Rolle dergestalt erweitert
werden, dass Männlichkeit nicht darin besteht, keine Probleme zu haben
oder sie nicht artikulieren zu dürfen. Es ist in diesem Kontext
schon makaber, dass ausgerechnet in Riehen, wo dieser schreckliche
Familienmord nun geschehen ist, die Direktorin der psychiatrischen
Klinik „Sonnenhalde“ eine Männerberatungsstelle zwei Wochen vor deren
Eröffnung ohne Begründung schliessen liess. Mathias Franz, der
Organisator des 1. wissenschaftlichen Männerkongresses, der im
vergangenen Frühjahr an der Heinrich-Heine Universität zu Düsseldorf
statt fand, hat dort eindrücklich beschrieben , dass es auch für
Männer „überlebenswichtig“ sei, sich rechtzeitig Hilfe holen zu können,
ohne dabei das Gefühl haben zu müssen, die mühsam erworbene
Männlichkeit wieder zu verlieren. „Die Fakten zur misslichen Situation
der Männer liegen seit 30 Jahren auf dem Tisch. Aber entsprechende
Maßnahmen lassen auf sich warten, obwohl die Nachfrage da ist“. Die
beste Prävention gegen den männlichen Familienmord wäre die Erweiterung
der Männerrolle um die Aspekte erlaubter Schwäche und erlaubter Bitte
um Hilfe.
Das Allerwichtigste wäre aber etwas Drittes: es gibt in unseren
Breitengraden Wirtschaftspolitik und Verteidigungspolitik und
Agrarpolitik und Steuerpolitik und und und. Es gibt aber keine
Geschlechterpolitik, die sich darum kümmern würde, dass Buben und
Mädchen, Frauen und Männer besser und solidarischer miteinander
umgehen, dass sie das rechtzeitig und nachhaltig lernen, im
Kindergarten, in der Schule und vor allem natürlich von den eigenen
Eltern. Auch das würde Amokläufe, Verbrechen aus Leidenschaft und
Familienmorde nicht völlig verhindern, aber zumindest reduzieren, wie
auch die Erfahrung lehrt.
- Mai 2010: Gastkommentar
Die Welt, 11.05.2010 Gastkommentar: Feminismus-Kritiker unter Generalverdacht
SIND MÄNNERRECHTLER "RECHTS"? /von Walter Hollstein
Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung hat soeben eine Schrift
veröffentlicht, die sich mit dem gegenwärtigen Geschlechterverhältnis
in Deutschland auseinandersetzt. "Geschlechterkampf von rechts" heißt
das Ganze, und Autor ist der Kölner Journalist Thomas Gesterkamp.
Zentrale These und Arbeitsergebnis zugleich resümieren sich im
Untertitel des Dokuments: "Wie Männerrechtler und
Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus
radikalisieren."
Den behaupteten "Geschlechterkampf von rechts" verortet der Autor auf
ganz unterschiedlichen Ebenen: personell bei Publizisten wie Volker
Zastrow, Frank Schirrmacher oder Arne Hoffmann, bei Wissenschaftlern
wie Gerhard Amendt oder Matthias Franz, Organisator des ersten
wissenschaftlichen Männerkongresses in diesem Frühjahr in der
Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf, und bei
Geschlechterinitiativen, die sich wie etwa "Agens" oder der"Väter-Aufbruch" für bestimmte Männer-Rechte wie zum Beispiel eine
bessere Sorgerechtsgestaltung für geschiedene Väter einsetzen.
Angepriesen wird das Dokument von der Friedrich-Ebert-Stiftung als
"Expertise", das heißt zu Deutsch: wissenschaftliches Gutachten. Dessen
Standards scheinen dem Autor aber gänzlich fremd zu sein. Weder belegt
er, wie er im Einzelnen zu seinen Daten und Ergebnissen gekommen ist,
noch legt er irgendwelche Auswahlprinzipien für seine Untersuchung vor.
Methodische Überlegungen hält er für überflüssig, und inhaltlich setzt
er sich nicht einmal ansatzweise mit den Argumenten und Positionen der
attackierten Publizisten, Wissenschaftler oder Institutionen
auseinander. Stattdessen verunglimpft, denunziert und halbwahrheitet
er.
Dazu passt, dass an keiner Stelle definiert wird, was nun "rechts"
"rechts-extrem" oder "rechter Geschlechterkampf" eigentlich ist.
Besieht man sich genauer, was Gesterkamp da alles in einen angeblich
braunen Sumpf wirft, sind das Autoren, Wissenschaftler und
Institutionen, die Vorbehalte gegen den Feminismus geäußert haben. Das
aber ist weder ein Sakrileg noch ein Angriff auf das Grundgesetz. Eine
solche Kritik - in jeder Hinsicht ja legitim - mit dem perfiden Etikett"rechts" zu versehen bedeutet nicht nur den öffentlichen Aufruf zu
einem Denkverbot, sondern ist darüber hinaus auch eine gefährliche
Verniedlichung des wirklichen Rechtsextremismus.
- Mai 2010: COMMUNIQUE
Am 6. Mai 2010 hätte in Riehen/Basel die Männerberatungsstelle Pro Mann für die Region eröffnen sollen. Neu an diesem Angebot wäre gewesen, dass es auf die Identitäts-, Orientierungs- und Beziehungsprobleme von Männer fokussiert sein sollte und damit eine grosse Lücke in einem Basler Angebotsspektrum geschlossen hätte, das primär auf Männergewalt ausgerichtet ist. Neu war ebenfalls die An- und Einbindung in die (psychiatrische) Klinik Sonnenhalde, die in gravierenden Fällen eine direkte Intervention erlaubt hätte. Das Projekt wird in der unten stehenden Meldung, die ich Mitte April an die Medien und an Männerberatungen im deutschsprachigen Raum verschickt hatte, des näheren beschrieben.
In der ferienbedingten Abwesenheit des Chefarztes der Sonnenhalde, Dr. Samuel Pfeifer, der das Projekt wesentlich mitkonzipiert und gestaltet hat, wurde die Eröffnung der Beratungsstelle von der Direktorin der Sonnenhalde, Ursula Fringer, untersagt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Flyer in einer Auflage von 5000 Exemplaren gedruckt, eine Eröffnungsfeier geplant und für Jänner 2011 ein grosses Männersymposium vorgesehen, für das die Referentenauswahl getroffen und ein Tagungsort angemietet war. Als Initiant und Leiter des Projekts wurde ich von Frau Fringer nicht einmal unterrichtet, sondern habe auf Umwegen vom Ende der Beratungsstelle kurz vor deren Anfang erfahren müssen. Gründe für die Liquidierung von Pro Mann sind mir ebenfalls nicht mitgeteilt worden. Damit wurde mit Sicherheit auch für Riehen die Chance eines innovativen Projekts verpasst.
Dieses Ereignis zeigt einmal mehr, wie willkürlich und fahrlässig mit der Problemlage von Männern umgegangen wird.
Prof. Dr. Walter Hollstein (Riehen) 02.05. 2010
Ein richtiger Mann stellt sich seinen Problemen
In Riehen/Basel eröffnet am 6.5. die Männerberatungsstelle für die Region
Die Lebensbedingungen von Männern und Buben verschlechtern sich seit geraumer Zeit signifikant. In Erziehung, Bildung und Gesundheit werden Knaben und Männer eindeutig benachteiligt; inzwischen verlieren auch mehr Männer ihren Arbeitsplatz als Frauen. Jüngere Männer sind viel häufiger arbeitslos als junge Frauen und haben aufgrund dessen zunehmend Rollen- und Identitätsprobleme.
Generell stellt sich heute für viele die Frage:
- Was ist männlich?
- Wie sollte heute ein “richtiger” Mann sein?
- Welche Erwartungen haben Männer an sich selber und welche Erwartungen haben Frauen?
In vielen Lebensbereichen ist die Situation für Buben und Männer inzwischen gravierend. In der Schweiz bringen sich Männer etwa viermal häufiger um als Frauen, und für die Pubertät weisen Zahlen darauf hin, dass sich Buben bis zu zehnmal mehr selbst töten als Mädchen. Männer sterben sechs Jahre früher als Frauen, sind im Durchschnitt erheblich kränker als diese und werden von daher mittlerweile gesundheitspolitisch als das schwache Geschlecht bezeichnet.
Armut, Krankheit, Süchte, Gewalttätigkeit, Vandalismus, sozialer Abstieg und gesellschaftliche Perspektivlosigkeit nehmen bei Buben und Männern dramatisch zu. Männlichkeit ist in die Krise geraten. Damit sind Männer zunehmend verunsichert. Sie haben Mühe, sich selber zu definieren, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, sich in der Arbeit zu verwirklichen und sich gegenüber “neuen” Frauen als Männer zu behaupten. Selbst in lebensbedrohlichen Schwierigkeiten scheuen sie sich zumeist um Hilfe nachzusuchen.
Die traditionelle Männerrolle von Stärke, Erfolg und Leistung steht ihnen im Weg. Ein richtiger Mann hat keine Probleme. In einem lebensbejahenden Sinn sollte es aber vielmehr heissen: Ein richtiger Mann steht zu seinem Problem. Die neue Männerberatungsstelle PRO MANN für die Region Basel bietet ab 6. Mai Orientierung und Beratung für Männer an. Der Soziologe und Männerforscher Walter Hollstein leitet PRO MANN und wird von Fachleuten der Klinik Sonnenhalde unterstützt. Das Team versucht mit den Ratsuchenden Antworten auf vitale Fragen zu finden:
- Wie sind wir als Männer wirklich?
- Welche Masken tragen wir und welche können wir ablegen?
- Was zieht uns an und was macht uns Sorgen?
- Welche Alternativen gibt es für uns in der heutigen Gesellschaft?
- Welche Verhaltensmuster können/müssen wir in unseren Beziehungen verändern?
- Wie können wir unseren Umgang mit Frauen besser gestalten?
- Wie können wir Freunde gewinnen?
Klinik Sonnenhalde, Männerberatung. Gänshaldenweg 3, 4125 Riehen
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